Auf Stempeljagd im Harz

Wo sich Hexen und Teufel gute Nacht sagen – der Harz ist nicht nur sagenumwoben, sondern auch das höchste Gebirge Norddeutschlands. Mit seinen guten 1.140 m über dem Meeresspiegel ist der Brocken der gigantischste Berg des Harzes und Pilgerstätte für unzählige Wanderer. Im gesamten Nationalpark sind Stempelstellen und Geocashes verteilt. Der ideale Ausgangspunkt für unsere „Stempeljagt im Harz“.

Willkommen im Harz

„Wenn das mal kein Zeichen ist…“

Es ist das wahrscheinlich letzte freie Wochenende für uns in diesem Jahr und bisher hat sich der Herbst von seiner goldenen Seite gezeigt. Da das Mountainbike fahren zuletzt etwas kurz gekommen ist, war der Plan schnell gefasst. Bike-Wochenende! Wohin? In den Harz. Der Brocken scheint ein erstrebenswertes Ziel zu sein und steht auch schon länger auf der Liste der Wunschziele.

Als Unterkunft haben wir uns für die Jugendherberge in Schierke entschieden. Die bisherigen positiven Erfahrungen mit anderen Jugendherbergen haben gezeigt, dass diese Art der Unterbringung sowohl praktisch ist, als auch für wenig Geld seinen Zweck erfüllt. Bisher war besonders die Unterbringung als Familie mit zwei Kleinkindern sehr einfach.

Mountainbike oder Wandern

Am Montag vor der Abreise dann noch mal der prüfende Blick in den Wetterbericht. Aktuelle Bedingungen: Gefühlte minus 30 Grad und 10 Zentimeter Neuschnee! Schneeketten fürs Fahrrad? Plan B muss her. Kurz vor Abfahrt ist die Entscheidung dann zu Gunsten des Wanderns gefallen. Da die letzte Erkältung noch nicht ganz auskuriert ist und enorme Anstrengungen und raues Wetter erwartet werden, haben wir dann doch lieber das Fahrrad gegen Wanderstöcke getauscht.

Da die Hauptsaison bereits beendet ist, steht auch einer entspannten Anreise nichts mehr im Wege. Freitagabend erreichen wir ein etwas verlassen wirkendes Schierke – ein Ortsteil der Stadt Wernigerode – und genießen im Gasthaus um die Ecke die lokalen Köstlichkeiten. Willkommen im Harz.

Der Aufstieg

Hier ist alles eins – Aufstieg, Bach, Geröll

Die Frühstückszeiten in der Jugendherberge sind nichts für Langschläfer. Von 7:30 Uhr bis 9:00 Uhr gibt es etwas zu Essen. Wer da verschläft, bleibt hungrig. Uns spielt das frühe Frühstück gut in die Karten, wollen wir doch möglichst viel vom Tag haben.

Die Jugendherberge liegt direkt an der Brockenstraße am Ende des Ortes. Von dort aus führt uns unsere Route direkt in das Waldgebiet. Nach einigen hundert Metern kommt dann der Abzweig zum Teufelsstieg. Diese Abkürzung wird uns auf unserem Fußmarsch zum Brocken fast vier Kilometer ersparen. So verlockend diese Abkürzung erscheinen mag, der Hinweis „schwer“ steht nicht umsonst am Wegweiser. Doch uns hält das nicht davon ab. Ab jetzt führt unser Weg etwa drei Kilometer über Stock und vor allem Stein durch den Wald. Auf dem relativ kurzen Stück werden etwa 500 Höhenmeter überwunden. Der sehr felsige Weg wird hier und da gleich noch zum Bachlauf für Tau- und Regenwasser.

Wer hier lang läuft, sollte gute Wanderschuhe und einen sicheren Gang haben. Auf ungefähr der Mitte des Aufstiegs gibt es eine kleine Hütte und einen Rastplatz mit Stempelstelle. Leider haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht den offiziellen Wanderpass, daher gibt es „nur“ ein Andenken in das Notizbuch.

Von der Stempelstelle Eckerloch führt der Bahnparallelweg weg. Dieser breite Spazierweg (auch Waldautobahn) verläuft über lange Zeit parallel zu den Gleisen der Brockenbahn und hat nur einen mäßigen Anstieg. Für uns geht es weiter bergauf den Teufelsstieg entlang, bis wir schließlich wieder auf der Brockenstraße ankommen. Die letzten hundert Höhenmeter und ca. zwei Kilometer geht es dann auf der asphaltierten Straße hinauf zum Brocken.

Der Brocken

Die Brockenbahn – Station Brocken

Oben angekommen geht es für uns direkt zur Info. Aufwärmen ist angesagt. Die Anstrengungen des Aufstiegs und der oben zunehmende kalte Wind sind keine gute Kombination, außer man möchte noch ein paar Tage Urlaub auf Rezept. Am Info-Schalter besorgen wir uns dann endlich unseren Wanderpass und den ersten Stempel. Dazu ein paar Souvenirs und dann geht’s auf die Aussichtsplattform. Hier zeigt sich, wie vorteilhaft ein frühes Frühstück sein kann. Zum einen konnten wir den Aufstieg ungestört von Mitwanderern genießen, zum anderen haben wir nun viel Zeit und Platz allein auf der Aussichtsplattform.

Auf 1142 Metern – prost

Bei guter Sicht kann man hier kilometerweit ins Land gucken und es lässt sich wunderbar die An- und Abfahrt der Brockenbahn bestaunen. Die Dampflock der Harzer Schmalspurbahn bringt dann auch zahlreiche Besucher mit, was zum Anstehen für ein Foto an der Höhenmarkierung Brocken führt. Nach eigenen Erinnerungsfotos geht es auch bald wieder zurück für uns. Zu viele Menschen (und das in der Nebensaison) und die kühlen Temperaturen von drei Grad machen uns den Abschied dann auch nicht allzu schwer.

Wer etwas mehr Spektakel erleben möchte, der kommt zur Walpurgisnacht auf den „Blocksberg“ – so wird der Berg liebevoll im Volksmund genannt. Dann treffen sich Hexen und Teufel. Im Brockenhaus gibt es zudem noch eine Ausstellung zur Geschichte und Natur der Brockenkuppe.

Wie wichtig die richtige Kleidung auf dem Gipfel ist, verdeutlicht dann noch eine Informationstafel im Stein. Die Jahresdurchschnittswerte (1960-1990) für das Brockenklima nennen hier Werte von 2,9 °C, 1814 l/m² Niederschlag, 306 Nebeltage (wir haben einen der anderen 59 Tage erwischt) und 176 Tage mit Schnee. Wir hatten Glück. Der Schnee der vergangenen Tage war getaut und wir hatten bei Sonne relativ klare Sicht.

Hinab zum Mittagessen

Unser Abstieg vom Brocken ist vorerst durch viel Gegenverkehr gekennzeichnet. Kurz vor Mittag kommen uns zahlreiche Ausflügler entgegen. Vor allem Wanderer aber auch regelmäßig Mountainbiker. Das der Brocken ein familientaugliches Ziel ist, zeigen uns viele Familien, die mit „Kind im Gepäck“ den Aufstieg wagen. Den Kinderwagen kann man aber hier getrost zu Hause lassen. Bei dem Gelände gilt für den Nachwuchs nur selber laufen oder ab in die Kindertrage oder den Tragerucksack (mehr zu Tragerucksäcken findet ihr im Bereich Ausrüstung).

Wer vermutet schon einen Hai im Wald

Die nächsten Kilometer sind wir auf dem Hexensteig bergab unterwegs. Dieser führt auf der asphaltierten Brockenstraße hinab, wo wir an der Stempelstelle „Gelber Brink“ kurz halt machen. Nach weiteren eineinhalb Kilometern erreichen wir die alte Bobbahn und können endlich wieder auf Waldwegen laufen. Am Abzweig Edelmannshäuweg machen wir einen kurzen Abstecher, um noch einen weiteren Geocache zu suchen. Neben vielen Stempelstellen gibt es auch für „Schatzsucher“ einiges zu entdecken. Zum Beispiel gibt es hier auch Haie im Wald. Haie im Wald? Ja. Kreative Köpfe haben eine vorhandene Steinformation mit „Zähnen“ ergänzt, so dass diese aussieht wie ein Haifischkopf. Für uns der ideale Platz um endlich das Mittagessen zuzubereiten.

Fast-Food mal anders

Heute gibt es Waldpilz-Soja-Ragout mit Nudeln, bzw. Jägertopf mit Rindfleisch und Nudeln. Die Zubereitung an Ort und Stelle dauert hier nur wenige Minuten. Das Wasser kommt direkt aus einem der zahlreichen Bäche, gefiltert und frei von Bakterien. Zum Aufkochen brauchen wir mit unserem 4-Season-Gaskocher und Topfset mit Heat Exchange nicht mal eine Minute. Danach das kochende Wasser zum Essen geben, gut umrühren und noch ein paar Minuten ziehen lassen. Fertig ist ein vollwertiges Mittagessen für unterwegs. Lecker und energiereich ist es zudem auch noch. Als Nachtisch ein paar Trockenfrüchte und schon geht es weiter zum nächsten Aufstieg.

Der nächste Aufstieg und Abstieg ins Tal

Obwohl wir bereits seit mehr als sechs Stunden unterwegs sind, ist unser Jagdfieber noch immer nicht gestillt. Nur einige hundert Meter vom Startpunkt entfernt entscheiden wir uns für einen weiteren Aufstieg. Wir wollen unbedingt noch einen weiteren Stempel, den vom Ahrensklint. Der Aufstieg, wieder über schmale felsige Pfade, kommt einem Sprint gleich. Nachdem wir die letzten Kilometer vor allem bergab gelaufen sind, hieß es jetzt, noch einmal knapp 200 Höhenmeter hinauf zu steigen. Da wir vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Ort sein wollten, beeilen wir uns nun ein wenig.

Oben entschädigt der Ausblick für die Mühen: Von einem Felsen überblicken wir einen Großteil des Harzes. Mit dem Blick zum Brocken und dem markanten Funkmast wird uns erst bewusst, wie weit wir heute schon gelaufen sind. Vom Ahrensklint laufen wir wieder hinab Richtung Schierke Bahnhof und kommen am großen und kleinen Feuerstein vorbei. Diese imposanten Steintürme geben dem örtlichen Kräuterlikör auch seinen Namen. Am Bahnhof Schierke wird es dann noch einmal kurz hektisch um uns herum. Von beiden Seiten fahren die Dampfloks der Brockenbahn ein und jeder möchte noch schnell ein Foto schießen. 

Mittlerweile erschöpft und mit schmerzenden Füßen und Beinen machen wir uns dann auf den Heimweg. Die letzten Meter führen uns vom Bahnhof, durch den Wald zum Ortskern. Im Ort wandern wir dann aber doch noch einmal kurz durch den schön angelegten Kurpark, sammeln den letzten Schatz für die Runde ein und freuen uns auf eine warme Dusche in unserer Herberge.

Am Ende kam ganz schön Strecke zusammen

Beim Abendessen lassen wir unseren Tag noch einmal Revue passieren und werten unsere Tourenaufzeichnungen aus. Am Ende waren wir über sieben Stunden unterwegs, haben etwas 800 Höhenmeter über meist felsige steile Pfade bezwungen und sind alles in allem knapp 23km gelaufen. Wir haben fünf Stempel erwandert (ein Sonderstempel gab es auf dem Brocken) und konnten acht Geocaches loggen.

Zu guter Letzt konnten wir dann auch noch eine uns ständig umtreibende Frage beantworten: Im Wanderpass ist leider nur eine Auflistung der Stempelstellen, jedoch keine Karte – wo bekommen wir bloß eine Karte der Stempelstellen her? Es wäre doch toll eine Karte zu haben, auf der wir sehen können, welche Stempelstellen auf dem Weg liegen. (Später am Abend) „Was bedeuten eigentlich die grünen Punkte auf der Wanderkarte?“ Ein Blick auf die Legende der Karte verrät uns: Stempelstellen Harzer Wandernadel. Ohne Worte…

Abreise und Eindrücke

Am Tag der Abreise zeigt sich der Harz von seiner nebligen Seite und wir stellen fest, was wir eigentlich für ein Glück mit dem Wetter hatten. Insgesamt sind die vielen Wanderrouten sehr gut ausgeschildert und es ist für jeden Anspruch etwas dabei. Auch für Fahrradfahrer gibt es entsprechende Hinweisschilder. Die interessantesten Pfade sind oft sehr steinig und durch steile Auf- und Abstiege gekennzeichnet. Mit dem Bahnparallelweg gibt es aber auch entspannte Alternativen.

Wer ein Picknick abseits der Hauptverkehrswege bevorzugt, wird mit echtem Genuss und Ruhe im Wald belohnt. Bei unserer Mittagspause kam tatsächlich kein einziger Wanderer vorbei, obwohl die Hauptwege gut besucht waren.

Für ausreichend Abwechslung sorgen ein reichhaltiges Angebot an kulturellen sowie landschaftlichen Höhepunkten und natürlich Stempelstellen und Geocaches für alle mit dem gewissen Jagdtrieb.

Wir blicken mit Begeisterung auf diesen Ausflug zurück und wissen nun, dass es sich auf jeden Fall lohnt wiederzukommen. Hier im Harz gibt es noch so viel mehr zu entdecken, als wir an einem Tag schaffen konnten.

Jetzt seit ihr dran

Ihr möchtet euer Essen und Trinken auch ganz ungestört in der Natur genießen, ohne lästiges Anstehen und viel zu hohe Touristenpreise, seit euch aber noch unsicher bei Ausrüstung und Handhabung? Wir beraten und schulen euch gerne rund um das Thema mobile Trinkwasseraufbereitung und einfache Outdoorküche. Was wir bei diesem Ausflug dabei hatten, seht ihr in der folgenden Übersicht. Wollt ihr uns eure Erfahrungen, Tipps und Tricks mitteilen, dann schreibt uns gerne direkt unter diesem Beitrag.

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