Golden Gate Bridge

„I’m going to San Francisco“

Der Tag beginnt früh am Morgen. Die Sonne scheint und der Frost der Nacht ist noch klar auf den Autoscheiben zu erkennen. Alles hier sieht irgendwie nach Sommer aus. Die meisten Leute in meiner Umgebung tragen die Tage Shorts und T-Shirt, die Klimaanlagen kühlen die Räume. Ich bin in Petaluma. Eine Stunde nördlich von San Francisco und es sind aktuell 36°F (ca. 2°C). Es werden heute auch nicht mehr als ca. 12°C. Es war die letzten Tage auch nicht wesentlich wärmer. Mein erster freier Tag in den USA. Mein Ziel die Golden Gate Bridge. Mein tollkühner Plan: von Süden über die Brücke laufen.

Golden Gate Bridge Vista Point

Ein Tipp meiner Kollegen ist es, San Francisco mit der Fähre anzusteuern. Gesagt getan. Der Plan: Auto an der Nordseite der Golden Gate Bridge abstellen, zur Fähre nach Sausalito (ca. 3,5km Richtung Norden) gelangen, mit der Fähre zum Ferry Building und dann einen gemütlichen Spaziergang entlang einiger Sehenswürdigkeiten zurück zum Auto. Je mehr ich meine Route entlang verschiedener interessanter Orte plane, desto mehr kommt in mir das unwohle Gefühl auf, dass es sich doch um einen sehr langen Spaziergang handeln könnte. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr vermisse ich meine Wanderstiefel. Aber was soll‘s; Ich will San Francisco sehen!

BruceTheMooseWie schon erwähnt, ist mein erstes Ziel die Nordseite der Golden Gate Bridge. Hier gibt es zwei Aussichtpunkte mit Parkplätzen. Ideal um sein Auto abzustellen und gleich mal den Ausblick und den Sonnenaufgang über San Francisco zu genießen. Natürlich habe ich ordentlich Selfies gemacht und auch #BruceTheMoose hat vor der Brücke posiert. Neben einem super Blick auf das „Goldene Tor“ zur San Francisco Bay gibt es hier am Aussichtspunkt noch die Statue des „Lonely Sailors“.

Die Lone Sailor Statue wurde im April 2002 am nördlichen Ende der Golden Gate Bridge eingeweiht und steht im Mittelpunkt des Vista Point. Die Statue repräsentiert den letzten Blick auf die Westküste Amerikas und ist allen Seeleuten gewidmet. Sie zielt auf die maritime Vergangenheit von San Francisco ab, besonders im 2. Weltkrieg. Weitere Aussichten sind etwas entfernt die Gefängnisinsel Alcatraz und natürlich die Weite der San Francisco Bay.

Auf nach Sausalito

Nach einer Weile mache ich mich auf den Weg zur Fähre nach Sausalito. Wie für mich nicht unüblich, habe ich mich natürlich erstmal dem falschen Weg zugewandt, um festzustellen, dass diese Abkürzung wohl nicht möchte, dass ich sie nehme. Also wieder zurück und dem Autonavi gefolgt. Ich bin etwa 2km auf einer Landstraße bergab gelaufen. Es war kein Highlight, aber ich wurde von der sonnigen Aussicht auf San Francisco begleitet. Nach etwa 20 – 30 Minuten eröffnete sich dann der Blick auf eine wunderschöne Kleinstadt, eingebettet zwischen Berg und Bucht, Sausalito. Das letzte Stück schlendere ich am Wasser entlang immer Richtung Yachthafen zu meinem ersten Etappenziel.  Übrigens sehr empfehlenswertes Ziel für einen Tagesausflug. Da heute Samstag ist, geht die erste Fähre leider erst kurz vor MittaSausalitog. Ich muss also fast zwei Stunden überbrücken. Erste Challenge: Fährticket besorgen. Ich habe mich vorher auf der Webseite der Golden Gate Bridge informiert und festgelegt mein Ticket vor Ort zu kaufen. Vor Ort fand ich dann ein Zettel am Ticket-Automat, dass gerade ein Test für den Online-Kartenverkauf läuft und ich doch mein Ticket bitte online erwerben soll. Super Sache, außerhalb des eigenen Europa-Handy-Tarifs. Naja, hatte noch ein zweites Handy  dabei, hat irgendwie funktioniert und am Ende hat sich rausgestellt, dass es doch möglich gewesen wäre am Automaten ein Ticket zu ziehen.

Mein Tipp für alle Touris wie mich: Holt euer Ticket vorab im Hotel. Die weitere Zeit habe ich dann genutzt um ein Bisschen am Yachthafen herum zu laufen und im Souvenirshop schon mal ein paar Kleinigkeiten für zu Hause zu besorgen. Und Zeit um in der Sonne rumzuliegen war auch noch. Das war der entspannte Teil.

Mein Weg durch San Francisco

AlcatrazDie Überfahrt mit der Fähre dauert ca. 30 Minuten. Entlang der Golden Gate Bridge und vorbei an Alcatraz fahren wir direkt auf die Oakland Bay Bridge zu, die übrigens viel größer ist und wie ich finde etwas beeindruckender. Ausstieg ist am Ferry Building. Am und im Ferry Building herrscht buntes Markttreiben. Heute ist hier auch die jährliche chinesische Neujahrsparade in China Town. Dadurch kann ich gar nicht sagen, welcher Teil der Wochenmarkt war und welcher zum Straßenfest gehört. Vom Ferry Building mache ich mich auf den Weg durch das Finanzviertel und die Hochhäuser zur Transamerica Pyramide. Ein paar Straßen vorher gibt es übrigens eine Fußgängerbrücke von der man einen recht guten Blick sowohl auf die Pyramide, als auch in Richtung Ferry Building hat.

Nach dem kurzen Stopp lasse ich mich weiter Richtung China Town treiben. In China Town hat mich mein Weg in eine kleine Bäckerei geführt. Etwas orientierungslos und unentschlossen streift mein Blick über die Auslage und ich lasse mich zu einem Stück Gebäck überreden. Keine Ahnung was mir die alte Dame erzählt, bzw. angedreht hat, aber ich wurde nicht enttäuscht. Wirklich lecker der Happen. Mein Snack sah aus wie ein Muffin aus hellem Kuchenteig. Der untere Teil war mit Blätterteig, der Hauptteil mit Cocosgeschmackt. Sollte jemand dieses Gebäck wiedererkennen, darf er mir gerne den Namen verraten. Auch, wenn es sich nicht um ein asiatisches Gebäck handelt.

Von China Town geht es weiter zum Cable Car Museum. Die hübschen kleinen alten Straßenbahnen kreuzen immer mal wieder meinen Weg. Sie sind die einzigen noch verbliebenen Kabelstraßenbahnen mit entkoppelbaren Wagen der Welt. Wer keine Lust hat, wie ich durch SFO zu laufen, für den bietet es sich an, direkt am Ferry Building einzusteigen und nach Norden zu Fahren. Eine normale Fahrkarte kosten wie bei uns nicht viel mehr als 2 Dollar. Auf jeden Fall ein Plan für meinen nächsten Besuch. Direkt auf der Rückseite des Cable-Car-Museum ist sowas wie der Betriebshof für die alten Bahnen und wie der Zufall es so will stand eine direkt vorne am Tor. Gelegenheit genutzt und eines von vielen Beweisfotos mit meinem Gesicht drauf gemacht.

City of San FranciscoDer Weg zur berühmten Lombard Street, wo sich die Autos eine sehr steile Straße herunter schlängeln, fühlt sich ein Bisschen wie ein alpines Training an. Vielleicht nicht so hoch aber mindestens so steil führen die Straßen hoch und runter. So steil, dass einige Bürgersteige mit Treppen versehen sind, um sie begehbar zu machen. Auf dieser alpinen Etappe meines Spaziergangs durch SFO gibt es sehr viele Kreuzungen und kleinere Parks mit grandiosen Aussichten nach Norden aufs Wasser und nach Osten Richtung Telegraph Hill mit dem Coit Tower, den Financial District mit seiner Skyline und dahinter die Oakland Bay Bridge. Wer genau hinguckt sieht auch die Saints Peter and Paul Church, welche mit ihrer weißen Fassade fast im Häusermeer verschwindet.

Nach nun mehr vier oder fünf Stunden dauerfotografieren und nebenbei geocachen, was übrigens ein netter Routenführer ist, macht mein Handyakku langsam schlapp. Im Fort Mason angekommen mache ich eine kleine Rast zwischen dem historisch bedeutenden Headquater und der Fort Mason Chapel und zücke meinen Laptop. Nicht die beste Powerbank, wie sich heraus stellt, aber ich habe leider nichts anderes. Da ich nicht ewig in Fort Mason sitzen möchte und bisher gerade mal den halben Weg bis zur Golden Gate Bridge geschafft habe, entschließe ich mich, mit Laptop auf dem Arm weiter zu laufen. Nicht besonders Komfortabel kann ich sagen. Neben neuen Wanderschuhen für Reisen kommt jetzt also doch noch eine Powerbank auf den Einkaufszettel. Wer hier gute Tipps hat, immer raus damit. Im Park und übrigens auch überall anders wo ich war begleitet mich ein regelmäßig aufkommender süßlicher Geruch. Ja es ist sehr offensichtlich, dass Kiffen in diesem Staat legal ist.

Vom Fort Mason Park aus geht es vorbei an der Art Galerie und ab jetzt immer am Wasser entlang. Wiedermal vorbei an einem Yachthafen führt mich mein Weg Richtung und durch Chrissy Field. Eine sehr schöne Kombination aus Parkanlage und Strandpromenade. Auf den umliegenden Wiesen sieht man, wie alle das Wochenende genießen. Picknick, Barbeque, Fahrrad fahren, Surfen und andere Freizeitaktivitäten sind hier allseits präsent. Die Studenten spielen ein sehr interessantes Spiel. Alle sind aufgestellt, wie beim Baseball und es scheint auch deren Bewegungsabläufen zu folgen. Nur wird ein etwa Fußball großer Ball geworfen und anschließend weg getreten. Der Flugbahn nach zu urteilen war es ein Schaumstoffball. San Francisco SkylineInteressantes Handicap: jeder hält einen roten Becher in der Hand. Ich vermute ein isotonisches Getränk. Ein anderer lustiger Zeitvertreib schein hier Bubble-Fußball zu sein. Auf den großen Wiesen stehen gleich mehrere Teams bereit. Langsam etwas erschöpft, genieße ich meine letzte Pause und packe meinen Laptop wieder ein. Die letzten Vorbereitungen für den Aufstieg zur Golden Gate Bridge. Oben angekommen werde ich kurz etwas gemütsduselig angesichts dieses für mich doch besonderen Moments. Es ist mittlerweile Nachmittag und ich trete nun die letzten Meter meines kleinen, in Summe glaube ich 20 Kilometer langen Spaziergangs, durch San Francisco an.

Auf der Brücke ist es ziemlich windig. Am Anfang noch begleitet von vielen anderen Touristen und immer wieder gestoppt von Fotografen, lichtet das Feld etwas. Das Interesse bis zur Mitte der Brücke zu laufen scheint nicht besonders groß zu sein. Zum Abschied meines San Francisco Besuchs winkt mir dann noch eine Robbe zu und ich nähere mich dem Ende der Brücke und meinem Auto. Alles worauf ich mich jetzt freue ist ein entspannter Abend und neue #DraussenErlebnisse am nächsten Tag.

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