Trinkwasser beim Zelten

In wenigen Wochen ist es soweit. Wir fahren mit Kind und Kegel zum Camping. Ein verlängertes Wochenende und die Gelegenheit mit Freunden am Lagerfeuer zu sitzen führt uns in den Thüringer Wald, genauer an den Stausee Hohenfelden.

Je näher der Termin rückt, desto detaillierter werden die Pläne und Packlisten. Aber desto spezieller werden auch die aufkommenden Fragen. Beim Thema Essen und Trinken wird es dann etwas spannender für uns. Es gilt abzuwägen zwischen Komfort, Gesundheit sowie Spielerei und Gadgets.

Beitrag enthält Produktplatzierungen. Die Nennung von Produkten erfolgt zur besseren Beschreibung der allgemeinen Inhalte und erfolgt ohne Bezahlung der jeweiligen Hersteller. Abbildungen und Verlinkungen auf Online-Markplätze enthalten Provisionslinks der Markplätze. Weitere Informationen dazu findet ihr hier.

Wie ihr bereits in unserer Serie „Trinkwasser unterwegs“ nachlesen konntet, beschäftigen wir uns etwas genauer mit dem Thema der Trinkwasserversorgung. Dabei kommt es natürlich auch vor, dass man über Dinge nachdenkt, die für andere Reisende selbstverständlich sind.

In diesem Beitrag wollen wir euch an ein paar Gedankengängen teilhaben lassen, die auch euch bei der nächsten Reise helfen können.

Am Anfang ist es wichtig, sich mal ein Bild der Gesamtsituation zu machen. Dabei müssen wir die Bedingungen vor Ort so gut, wie Möglich abschätzen. Zu den Vorort-Bedingungen sind die individuelle Situation, sowie verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.

Auf dem Campingplatz

Erstes wichtiges Detail, wir sind auf einem Campingplatz, also in der Zivilisation. Neben der allgemeinen öffentlichen Versorgung, wie Restaurants und Geschäften, gibt es in Deutschland normaler Weise Sanitäreinrichtungen. Dies solltet ihr unbedingt vor der Reise klären, da ihr eure gesamte Wasserversorgung darauf abstimmen könnt.

Ergänzend ist es gut zu wissen, ob der Platz an einem Fluss oder See liegt. Die Wasserqualität lässt sich beim örtlichen Wasserversorger abfragen. Dann wisst ihr, ob ihr mit Schwermetallen im Wasser rechnen müsst und ihr wisst auch gleich, wie die Bademöglichkeiten sind.

Die Grundversorgung

Unabhängig davon, wie gut die Versorgung vor Ort sein wird, solltet ihr niemals ohne ausreichend Getränke losfahren. Das gilt noch einmal ganz besonders mit Kindern.

Für die allgemeine tägliche Versorgung mit Trinkwasser rechnen Behörden mit ca. 5 Liter pro Person. In diesen Wert ist auch das Wasser für die Zubereitung für Essen eingerechnet. Das solltet ihr nicht vernachlässigen, da gerade bei längeren Camping- oder Outdoortouren das fertige Essen oft mit Wasser aufgekocht wird. Nicht überall kann nur gegrillt werden und auch Nudeln brauchen Wasser.

Transport und Lagerung

Wenn wir davon ausgehen, dass wir mit vier Personen drei Tage unterwegs sind, würden wir insgesamt 60 Liter Wasser verbrauchen. Das sind 40 1,5 Liter PET Flaschen. Das dürfte ein Platzproblem im Auto geben und besonders nachhaltig ist das auch nicht.

Mit einem 10 Liter Kanister hätten wir im Umkehrschluss Wasser für einen halben Tag. Nach unseren eigenen Erfahrungen reicht der 10 Liter Kanister auch für einen ganzen Tag.

Das kleine Rechenbeispiel dient lediglich dazu, ein Bewusstsein für die Situation zu erzeugen. Die absoluten Zahlen können bei jedem unterschiedlich ausfallen und hängen auch von äußeren Einflüssen ab. Zum Beispiel, wie warm es ist.

Was ist zu beachten?

Wir haben uns nun für die Nutzung der Zapfstelle vor Ort entschieden. Damit holen wir uns nur die Menge Wasser, die wir dann auch tatsächlich zum Kochen oder Befüllen der Trinkflaschen benötigen.

Dabei ist besonders auf die Sauberkeit der Anlage zu achten. Zum einen seht ihr, ob sich der Betreiber um die Anlagen kümmert, zum anderen solltet ihr selber auf Sauberkeit achten, da jeder Nutzer Einfluss auf die Hygiene hat.

Solltet ihr kein Vertrauen in die örtliche Wasserversorgung haben, gibt es verschiedene Reinigungsmöglichkeiten. Das Wasser sollte grundsätzlich optisch klar, geruchlos und von gutem Geschmack sein.

Wenn ihr das Wasser in einem größeren Behälter, Tank oder Kanister sammelt, ist es an euch darauf zu achten, dass dieser sauber ist. Auch sollte das Wasser nicht lange und vor allem kühl gelagert werden. Sonst züchtet ihr euer eigenes Biotop.

Reinigungsmöglichkeiten

Ganz grundsätzlich stehen euch verschiedene Möglichkeiten der Reinigung zur Verfügung: filtern, chemische Reinigung oder UV-Desinfektion.

Chlortabletten

Die meisten kennen die klassischen Chlortabletten. Diese sind leicht zu dosieren und passen in jedes Reisegepäck. Chlortabletten haben aber den Nachteil, dass wir den Geschmack negativ beeinflussen und der Zusatz von Chemie nicht unumstritten ist. Immerhin können neben Bakterien auch Viren abgetötet werden und das Wasser kann etwas länger gelagert werden.

Von Micropur gibt es hier verschiedene Varienten und Größen auch in Verbindung mit Silberionen. Der Hersteller verspricht hier, dass das Trinkwasser bis zu 6 Monaten haltbar gemacht werden kann. Zur Geschmacksneutralisation gibt es auch ein Anti-Chlor dazu.

UV-Desinfektion

Eine gute Alternative zur Chemie ist die UV-Desinfektion. Dabei werden UV-Strahlen durch das Wasser geleitet und das Erbgut der Mikroorganismen so verändert, dass eine weitere Ausbreitung nicht möglich ist. UV-Strahlung hat jedoch ganz wesentliche Einsatzgrenzen. Zum einen muss das Wasser sehr klar sein, damit sich Mikroorganismen nicht hinter Partikeln verstecken können. Außerdem muss die Strahlungsintensität auf die Wassermenge angepasst sein. Dazu wird Strom benötigt.

Beim Zelten ist ein Einbau größerer UV-Anlagen nicht möglich. Hier bieten sich UV-Stifte, wie der SteriPEN an. Dieser passt gut an den Gürtel, ist jedoch von der Größe nicht unbedingt für große Gruppen geeignet.

Mit UV-Strahlung desinfiziertes Wasser sollte zudem nicht gelagert werden. Das Wasser ist nicht Steril und Verunreinigungen können sich wieder ausbreiten.

Filter

Bakterienfilter
Wasserfilter Miniwell L610

Zu guter Letzt gibt es noch den klassischen Wasserfilter. Und davon gibt es auf dem Markt gefühlt unendlich viele. Da wir beim Zelten sind und keine festen Einbauten haben, verzichten wir an dieser Stelle auf den Vorfilter und widmen uns gleich den Bakterien, bzw. Virenfiltern.

Für die Auswahl eines geeigneten Filters sind individuelle Vorlieben und Bedürfnisse zu ermitteln.

Mit einem Pump-Filter-System hätten wir sicher die besten Möglichkeiten einen Virenfilter mit Aktivkohlefilter zu kombinieren. Der nötige Druck wird dabei wie bei einer Fahrradpumpe erzeugt und mit Hilfe von Schläuchen können wir sehr leicht aus einem Tank in eine Flasche umfüllen. Eine kompakte Variante ist hier der Miniwell L610 Filter.

Es gibt von verschiedenen Herstellern auch Filtersysteme, welche wie ein Strohhalm funktionieren. Hierunter fallen zum Beispiel die Systeme von Miniwell, LifeStraw und Sawyer. Diese sind für unseren Zweck aber nicht so gut geeignet, da sich damit nur schlecht Flaschen befüllen lassen. Die „Strohalme“ gibt es oft auch gleich in Kombination mit einer Trinkflasche. Dabei muss euch bewusst sein, dass ein Bakterienfilter sehr kleine Poren hat und das Wasser einen hohen Druck benötigt. Den erzeugt ihr bei festen Gehäusen mit dem Mund. Das kann sehr anstrengend sein.

Für den Zeltplatz dürfte der Schwerkraftfilter eine gute Wahl sein. Dabei habt ihr einen weichen Wasserbeutel und einen Filtereinsatz. Diesen gibt es zum Beispiel von Katadyn als BeFree oder Gravity in verschiedenen Größen. Die 1-Lieter-Variante ersetzt eine Trinkflasche und mit die 3-Liter-Variante eignet sich super für Gruppen. Bei Varianten, wie dem Gravity gibt es sogar einen Duschaufsatz. Damit steht auch dem Zelten abseits ziviler Infrastrukturen nichts mehr im Wege.

Die beliebten Aktivkohlefilter eignen sich gut, um den Geschmack des Wassers zu verbessern. Ganz wichtig, bei jedem Filter, die Bedienungsanleitung lesen. Wenn ihr den Filter nicht benutzt, müsst ihr die Filter-Elemente reinigen und trocknen, damit der abgelagerte Schmutz nicht im Trinkwasser landet, oder der Filter schimmelt.

Aktivkohle trocknet nur sehr schlecht, daher die Patrone nach dem gebrauch (meist nach dem Wochenende oder Urlaub) entsorgen. Bei einigen der vorher beschriebenen Wasserfiltern ist die Aktivkohle integriert. Achtet beim Kauf darauf, dass ich die Aktivkohle einzeln ersetzen könnt. Sonnst müsst ihr  ständig teure neue Filterelemente kaufen, obwohl diese noch gut sind.

Fazit

Wie ihr seht kann schon ein kleiner Ausflug mit dem Zelt eine umfangreiche Planung mit sich bringen. Möglichkeiten der Trinkwasserversorgung gibt es zudem genug. Solltet ihr noch mehr Hintergründe zu den einzelnen Verfahren benötigen, dann lest euch doch noch ein wenig in unserer Serie „Trinkwasser unterwegs“ ein. Wenn ihr wollt, unterstützen wir euch gerne bei der Planung eures nächsten Outdoor-Abenteuers.

Für einen Kurztrip auf den Campingplatz haben wir üblicherweise unseren BeFree dabei. Damit lassen sich sehr leicht Töpfe befüllen und wir können ihn beim Wandern gleich mitnehmen. Gegen Viren einen UV-Stift und als Backup stören ein paar Micropurtabletten auch nicht im Gepäck. In Deutschland dient uns das Zubehör lediglich als Backup oder wir nutzen z.B. unseren BeFree für Ausflüge und Wanderungen.

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2 Kommentare

    1. Hallo Maxim,

      deine Frage kann so pauschal nicht beantwortet werden.
      Die Wahl des Wasserfilters hängt immer von Art und Umfang der geplanten Nutzung, sowie der zu erwartenden Quell-Wasserqualität ab.
      Solltest du dir unsicher sein, dann empfehlen wir, dich zu erst mit ein paar Grundlagen vertraut zu machen.
      Diese kannst du in unseren Beiträgen zum Thema „Trinkwasser unterwegs“ nachlesen.
      Solltest du noch weitere Fragen haben, kannst du uns auch über unser Kontaktformular erreichen.

      Gruß Chris

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