Stausee Odenwald Nibelungensteig

Wie bekomme ich Wasser trinkbar – Teil 4

Wasseraufbereitung ist eine Wissenschaft für sich. Nachdem wir oder andere die verschiedensten chemischen Verbindungen in unser Wasser gegeben haben, stellt sich die Frage: Wie kommen diese wieder heraus? Diese Frage können wir natürlich nicht abschließend beantworten, aber wir können etwas dazu beitragen.

Dies ist Teil 6 unserer Serie „Trinkwasser unterwegs“. Eine Übersicht aller weiteren Teile findet ihr am Ende des Beitrags.

Egal ob böswillig oder mit guten Absichten. Chemie im Trinkwasser ist langfristig nicht gesund und sie verdirbt den Geschmack. Oder könnt ihr ein Glas frisch gechlortes Wasser genießen? Aber zum Glück gibt es ja Aktivkohle. Damit werden schlechter Geschmack und unliebsame Inhaltsstoffe aus dem Wasser geholt.

Aktivkohle

Aktivkohle kennen die meisten als Aktivkohle-Filter. Da die Aktivkohle jedoch hauptsächlich zur Reduktion von chemischen Inhaltsstoffen genutzt wird, wollen wir uns hier und nicht bei unserer Filterübersicht mit dem Thema beschäftigen.

Hiker pro Outdoorfilter Aktivkohle
Hiker Pro mit Aktivkohlefilter
Quelle: Katadyn

Aktivkohle wird als Pulver oder in Blöcken angeboten. Besonders vorteilhaft sind die sehr feinen Poren und die damit verbundene große Filteroberfläche. Dadurch wird eine allgemein sehr gute Filterwirkung erzeugt. Diese Filterwirkung wird aber nur erzeugt, wenn das Wasser ausreichend lange mit der Aktivkohle in Kontakt ist. Das ist besonders wichtig bei der Reduktion chemischer Inhaltsstoffe wie Chlor. Nur bei entsprechend langsamer Fließgeschwindigkeit und großer Reaktionsdauer kann das Chlor an der Aktivkohle „haften“ bleiben.

Die einfachste und günstigste Form ist Aktivkohle als Pulver. Dabei sollte beim nachfüllen darauf geachtet werden, dass das Pulver gleichmäßig verteilt ist und gepresst wird. Wasser sucht sich immer den Weg des geringsten Wiederstandes. So können sich Kanäle bilden, durch diese das Wasser zu schnell durchfließt. Alternativ zum Nachfüllen gibt es je nach Anbieter auch fertige Kartuschen, welche getauscht werden können.

Bei Kohleblöcken gibt es einen wesentlichen Unterschied in der Qualität. Manche Hersteller benutzen ein Bindemittel, um den Block in seine Form zu bringen. Dieses Bindemittel hat natürlich keine Wirkung, weshalb bei gleich großen Blöcken auch weniger Aktivkohle enthalten ist. Auch hier entscheidet die Qualität beim Pressen, ob das Wasser gleichmäßig durchfließen kann, oder ob sich schnell Kanäle bilden.

Aktivkohle kann viel, aber nicht alles. Deshalb versprechen seriöse Händler nicht, dass alle Chemikalien adsorbiert werden. Wer genau wissen möchte, wo Aktivkohle gut wirkt und wo eher schlecht, für den hat die Firma Katadyn eine Übersicht Aktivkohle: „Welche Stoffe werden reduziert“ bereitgestellt. Bei anderen Herstellern gibt es diese bestimmt auch. Dort habe ich sie jedoch noch nicht gefunden.

Bei der Verwendung, bzw. der Lagerung, eines Aktivkohlefilters gibt es noch folgende Punkte zu beachten.

  • Aktivkohle lässt sich nur sehr schwer trocknen, weshalb sie immer eine gute Grundlage für Bakterienwachstum bietet. Die Verwendung wird oft auf 6 Monate beschränkt. Bei Tischwasserfiltern sogar nur auf einen Monat.
  • Aktivkohle ist nicht unbegrenzt reaktionsfähig, weshalb nach einer bestimmten Menge Wasser die Aktivkohle  getauscht werden muss. Bsp. LifeStraw 2-Go nach 100 Litern. Dabei gilt je weniger Aktivkohle in der Kapsel, desto schneller muss getauscht werden.

Meine klare Empfehlung bei der Verwendung von Aktivkohle: Nutze einen Aktivkohlefilter nur so lange, wie du tatsächlich unterwegs bist. Also einen Filter für deine Trekkingtour oder deine 14-Tage Urlaub. Wenn du 4 Wochen unterwegs bist, geht das auch. Wichtig ist eine regelmäßige Nutzung. Liegt der Filter längere Zeit (3-7 Tage reichen) nur rum, dann tausch ihn lieber aus.

UV-Desinfektion

UV, oder Ultraviolettes-Licht, ist auch ein sehr altes und bekanntes Verfahren zur Trinkwasserdesinfektion. Wie sauber diese Alternative zu Chemie und Filtern ist, wollen wir jetzt diskutieren.

Grundsätzlich geht es bei der UV-Desinfektion um Lichtwellen, also Strahlung, die erzeugt wird, um das Erbgut der Bakterien anzugreifen. Dabei werden Bakterien quasi Zeugungsunfähig gemacht und können sich nicht mehr vermehren.

Dieses Verfahren wird industriell im großen Stil angewendet. Besonders in Krankenhäusern als letzte Barriere oder in der Getränkeindustrie um Spülwasser sauber zu halten. In mobilen Anwendungen bieten verschiedenste Hersteller Geräte für den Einbau in Caravan oder Booten. Und seit ein paar Jahren gibt es mit dem SteriPen sogar eine UV-Lampe für die Hosentasche.

Wer jetzt sagt, im Sonnenlicht sind auch UV-Strahlen vorhanden, nutze ich doch diese zur Desinfektion, der hat Recht. Die UV-Strahlung der Sonne reicht aber nicht aus um ein Glas Wasser schnell und sicher zu desinfizieren. Schon gar nicht auf der Nordhalbkugel. In einer UV-Lampe wird das UV-Licht gebündelt und viel gezielter eingesetzt.

Der wesentlichste Vorteil einer einfachen UV-Desinfektion ist natürlich eine chemiefreie Variante der Trinkwasseraufbereitung. Diese hat jedoch zwei wesentliche Nachteile, bzw. Einsatzgrenzen.

  1. Es wird Energie benötigt. Je nach Größe der Anlage ist diese nicht unerheblich. Gerade für Wanderer bedeutet dies, zusätzliches Gewicht durch Powerbank und Solarpanel. Immerhin lässt sich der SteriPen über ein einfaches USB-Kabel aufladen.
  2. Die UV-Desinfektion funktioniert nur in klarem Wasser. Das Problem sind dabei Partikel im Wasser, an denen das Licht gebrochen wird. Befindet sich ein Bakterium hinter einem Schmutzteilchen, wird dieses nicht durch die UV-Strahlung getroffen. Diese Bakterien gelangen dann ganz ohne Sonnenbrand in den weiteren Kreislauf.

Da wir grundsätzlich von der Technologie überzeugt sind, ist es uns wichtig, dass ihr wisst, wann und wie ihr diese am besten einsetzt. Idealer Weise wurde das Wasser vorher gefiltert, oder ist von Hause aus schon sehr klar. Dann solltet ihr die Kontaktzeit beachten. Diese ähnelt vom Grundprinzip der Einwirkzeit von chlor- oder silberhaltigen Produkten.

UV-Lampen bieten sich besonders für die Konservierung von bereits gereinigtem Trinkwasser an. Dadurch wird verhindert, dass es zu neuem Bakterienwachstum kommt. Wichtig dabei ist, dass das Wasser zirkuliert. Steht das Wasser, habt ihr eine teure Heizung. Dadurch begünstigt ihr das Wachstum von Keimen. Weiter sollte das Wasser regelmäßig gewechselt, also verbraucht werden. Sonst fahrt ihr unzählige Leichen von Bakterien im Kreis, die wiederum als Futter für neue Mikroorganismen dienen. Und zu guter Letzt, reinigt die Lampe regelmäßig. Ablagerungen auf der UV-Röhre sorgen dafür, dass die UV-Strahlen gebrochen oder gar abgeschirmt werden. Dann ist eure Installation nutzlos.

UV-Desinfektion ist also am besten für Reisende mit Platz für Installationen oder bei Leitungswasser (Hotel, Hostel, Campingplatz) geeignet.

Wenn ihr euch immer noch unsicher seid, dann scheut euch nicht, uns einfach zu fragen. In unseren Workshops könnt ihr verschiedene Varianten ausprobieren und bei Bedarf beraten und planen wir mit euch zusammen, was für euch am besten ist.

Damit seid ihr mit dem Grundlagenteil erst einmal durch. In unserer Serie „Trinkwasser unterwegs“ geht es nun mit verschiedenen Produktübersichten weiter, die wir von Zeit zu Zeit erweitern.

Kapitel 1 – „Trinkwasser unterwegs“

Kapitel 2 – „Warum Wasseraufbereitung“

Kapitel 3 – „Wie bekomme ich Wasser trinkbar -Teil 1“

Kapitel 4 – „Wie bekomme ich Wasser trinkbar -Teil 2“

Kapitel 5 – „Wie bekomme ich Wasser trinkbar -Teil 3“

Kapitel 6 – „Wie bekomme ich Wasser trinkbar -Teil 4“

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